„Wenn wir Deinetwegen!!! nicht eingebürgert werden, dann ...“
Noch
heute, wenn ich an mein Teenageralter zurück denke, finde ich es haarsträubend,
dass man so um das Schweizer Bürgerrecht bangen musste, dass Väter oder Mütter
so ängstlich werden konnten, dass sie den Kindern kaum mehr eine normale
Fröhlichkeit zugestehen konnten.
Ursula
Biondi - Geboren in Zürich – ist die Lebensgeschichte
einer in Zürich als Italienerin der vierten Generation aufgewachsenen jungen
Frau.
Die Autorin arbeitet
darin einerseits Ihre eigene Lebensgeschichte auf, geht aber andererseits auch
auf die Verhältnisse in den Sechziger-Jahren, also vor noch nicht einmal 40
Jahren ein, als es noch kein Frauenstimmrecht, dafür aber ein Konkubinatsverbot
und ein Eheverbot für schuldig Geschiedene gab. Damals galt auch noch das aus
der reinen Männerpolitik hervorgegangene Bürgerrechtsgesetz, dessen Leitgedanke
die Einheit des Bürgerrechts in der Familie war, und durch das die Schweizer
Frauen, die einen Ausländer heirateten, ihr eigenes Schweizer Bürgerrecht
verloren. Auch die Kinder von Schweizer Müttern, wie zum Beispiel Ursulas Vater
und Ursula selber, galten nach diesem Gesetz als Ausländer.
Ab 1952 konnten dann wenigstens die Frauen ihr Schweizer Bürgerrecht wieder
zurückverlangen, die Väter und die Kinder aber blieben Ausländer.
Was diese - heute
kaum mehr vorstellbaren - gesetzlichen Bestimmungen für die junge Ursula
bedeuteten, darauf geht sie in ihrem Buch schonungslos ein.
Es wird glaubhaft, dass
ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn sie damals statt des Namens „Biondi“ einen
Schweizer Namen getragen hätte, wie zum Beispiel einer ihrer alteingesessenen
Schweizer Vorfahren mütterlicherseits „Hasler“, und väterlicherseits „Widmer“
oder „Keller“.
Schweizerische
Vereinigung der
Bewährungshilfe
- Association ...
... Ermutigend und inspirierend Ursula Biondi Geboren in Zürich -
eine Lebensgeschichte
Verlag Cornelia Goethe Frankfurt am Main ISBN 3-8267-5430-1. ...
*STAR
TV - FILM, LIFESTYLE &
ENTERTAINMENT
GLOGGER TALK: Ursula Biondi. Sie heisst Ursula Biondi. Sie wuchs in
Zürich als Italienerin der 4. Generation auf, verliebte sich ...
www.startv.ch
- 20. Mai 2004
Ursula Biondi - was für ein Leben? In
der Schweiz? Hier erzählt eine Frau ihr wirklich bizarres Leben.
Wie sie
als Schweizerin als Fremde angesehen wurde, wie sie sich verantworten
musste, wie sie ins
Gefängnis kam, um dort «erzogen» zu werden. Eine
aufwühlende Geschichte, ein bewegendes Schicksal
einer tapferen, schönen
Frau.
GLOGGER TALK: 12. August 2004
GlücksPost
... Reports» auf Star TV. Glogger-Talk Wir berichten über das
schicksalshafte
Leben der Ursula Biondi. Star Reports Was das Filmfestival ...
www.glueckspost.ch/index.cfm?rub=26 - 48k - 20. Mai 2004 -
IG Secondas - Filme, Bücher
Geboren in Zürich – Eine
Lebensgeschichte Ursula Biondi
Literaturverlag Cornelia Goethe. Links. Scannen, Drucken etc.
www.igsecondas.ch/de/literatur_film.php?nav=10
- 15k
Das Buch wurde in den Brentano
Katalog für Filmstoffe aufgenommen!
Zur Vorstellung neuer Filmstoffe
sowie zur Vorlage bei ausgewählten
Drehbuchagenturen, Developmentagenturen, Filmproduzenten, Filmstudio usw.
Sr.
M. Jacqueline Gehrig
Nun habe ich Ihr Werk - Ihre
Lebensgeschichte - zu Ende gelesen.
Ich kann
Ihnen nur gratulieren zum Verarbeiten. Sehr erstaunlich,
bewundernswert
haben Sie Ihr Leben an die Hand genommen und
das Allerbeste daraus
gemacht.
Durch Ihre vielfältigen Lebenserfahrungen können Sie sicher ganz viele
Menschen reich beschenken und auch vielen weiter helfen.
So freue ich mich, bis ich Sie persönlich kennen lernen darf.
Beatrice
Maeder - Stadtbibliothek Dübendorf
Zum zweiten Mal las ich Ihr Buch und
sah dabei immer Ihre zierliche Figur
vor mir und fragte mich ständig ,
wie i c h wohl an Ihrer Stelle alles durchgestanden hätte.
Sie sind eine sehr zähe und widerstandsfähige Person: Der Wille zu überleben
siegte.
Die beschriebene Zeit in Ihrem Buch ist mir als Jahrgang 1945 durchaus
nicht fremd.
Nur war ich immer angepasst und folgte den elterlichen harten
Vorschriften immer ganz
brav, was ich heute eher bedaure.
Ich freue mich sehr auf Ihre Lesung und grüsse Sie sehr herzlich
Stadtbibliothek Dübendorf
Esther
Dürr
Mit Interesse habe ich über's
Wochenende Deine Lebensgeschichte gelesen,
welche mich berührt hat. Es
freut mich sehr, dass es Dir so gut gelungen ist,
ein Buch über Dein
Leben zu schreiben. Mir gefallen - vom Formalen her
gesehen - die flüssige,
rhythmische Schreibweise und die gute Sprache.
Das Buch regt zum Denken
an.
Einmal sagte Nietzsche zu Dr.
Breuer:
"Haben Sie Ihr Leben gelebt? Oder wurden Sie von ihm
gelebt? Haben Sie gewollt?
Oder wurden Sie gewollt? Das Leben geliebt?
Oder gereut? Das meine ich, wenn ich
Sie frage, ob Sie Ihr Leben gelebt
haben." Quelle: Irvin D. Yalom; Und Nietzsche weinte.
Mir scheint, als ob es Dir gelungen
ist, das Leben zu leben, obschon Du auch von
ihm gelebt wurdest. Dein
Buch, Dein Triumph, Du hast es geschafft. Ein gutes Gefühl,
welches mit
einem guten Selbstwertgefühl gekoppelt ist.
Ich gratuliere Dir
herzlich.
ZEM-Fachschule:
Ruth Schmidhauser - Heide-Dore Nägeli-Stahl
Dieses Buch ist lebendig und historisch nachvollziehbar geschrieben und
beleuchtet
die Mitte des letzten Jahrhunderts von einer neuen Seite.
Ursula Biondi versteht es, den Leser von Anfang an bis zum Schluss zu
fesseln.
Ein beeindruckendes Zeugnis eines schweren Schicksals und dessen
Bewältigung.
Dieses Buch könnte ein Bestseller werden.
Dr.
Ursula Davatz: (Psychiaterin)
Das Buch von UMB ist ein eindrückliches
Dokument einer persönlichen Lebensgeschichte,
wie sie nur das Leben
schreiben kann u. wie kein Dichter sie hätte erfinden können. Was
mich
ganz besonders berührt ist die Tatsache, dass sie sich dabei gesund
geschrieben hat.
Dies soll möglichst vielen Menschen, die ähnlich
schwierige Lebensgeschichten durchgemacht
haben Mut machen, nicht
aufzugeben u. vielleicht auch zu schreiben, ihr tiefes Leiden in Worte zu
fassen, u. wenn es nur für sie selbst ist.
Ich bin zutiefst dankbar, dass ich beim schreiben dieser einzigartigen
Geschichte mit dabei sein durfte.
Marianne
Heimoz Direktorin der Strafanstalt Hindelbank:
Ihre
Lebensgeschichte hat mich tief
beeindruckt - schön, dass Sie das
Wagnis einer Veröffentlichung eingegangen sind!
Alice
Fuhrer -
Heilsarmee Zürich: Mit Interesse bin ich daran Ihre
Lebensgeschichte zu lesen.
Es freut mich, dass wir mit unseren Besuchen in Hindelbank etwas Hoffnung und Zuversicht in
Ihr damaliges junges Leben
bringen durften.
Alfonso Miralles: Ich
finde keine genügenden Worte um Dir über dessen ausgezeichneten,
menschlichen, interessanten Inhalt zu gratulieren. Es ist fast unmöglich
alles zu verdauen und unfassbar,
dass Du über genügend Kräfte gehabt
hast, alles über Dich ergehen zu lassen. Ich glaube es gab zu
Deiner
Kinderzeit kaum jemand der all dies zu bewältigen imstande gewesen war.
Susan
Kronenberg: Zuhause habe
ich Dein Buch dann ziemlich rasch gelesen und nach gut zwei
Monaten ein
zweites Mal. Es geht schon unter die Haut! Wenn man nicht immer wieder -
auch heute
noch - Berichte hört oder sieht, wie mit Menschen umgegangen
wird, wäre es kaum zu glauben. Ich
finde es haarsträubend, dass man so um das Bürgerrecht bangen muss, dass
Väter so ängstlich
werden können, dass sie den Kindern kaum mehr eine
normale Fröhlichkeit zugestehen.
Was mich auch sehr berührt hat, ist, wie Du eigentlich einfach viel Liebe
erfahren wolltest. Du hattest
sie zu vergeben und sie stand Dir immer auch
zu. (Es hat mich vielleicht auch einwenig an meine eigene
Geschichte
erinnert). Natürliche Freude, natürliche Sinneserfahrungen, natürliches
Mitmachen wurden, wie
Du sehr gut beschreibst, an den Pranger gestellt.
Ich glaube, Dein Bericht wäre auch für Eltern heranreifender
Jugendlicher lesenswert. Wer sich als Kind in der eigenen Familie nie
richtig ausleben kann braucht doch
notgedrungen andere Menschen in
vermehrtem Masse, als es sonst die üblichen Kameraden und Freunde
sind.
Es ist für mich nachvollziehbar, dass ein junges Mädchen sich so in
einer Beziehung verlieren kann.
Ich habe mich beim Lesen oft gefragt, ob für
die heutigen Mädchen diese Gefahr auch immer noch
besteht; -
wahrscheinlich weniger, sind sie doch viel selbstbewusster als wir damals.
Eine Episode hat mir
klar gemacht, wie schnell ein sehr grosses Unglück
geschehen kann, wenn die Umstände darnach sind: ich
sehe Dich in Genua in
der "privaten Gefangenschaft", wo eine Nonne über die unglücklichen
Arrestanten wacht.
Wie Du - vor lauter Angst, dass Du ertappt wirst - nach
der Madonna auf dem Bord greifst. Wäre die Nonne
nun vorbeigekommen und hätte
Deine Flucht damit verhindert .... Sich vorzustellen, dass es gar nicht
viel
braucht, um evtl. einen anderen Menschen schwer zu verletzen oder
noch schlimmer, gibt schon zu denken.
Ich fragte mich natürlich: wie hätte
ich wohl reagiert?
Gut, dass Du dieses Buch geschrieben hast. So viel Unrecht wurde Dir
angetan und dass Du heute nicht
verbittert und traurig dahinvegetierst,
hast Du sicher einem ganz gesunden, positiven und starken Kern in
Dir
selbst zu verdanken. Es ist bewundernswert, wie Du Deinen ganz persönlichen
Weg gegangen bist
und Dich nie und von niemandem hast zurückbinden
lassen. Das ist wahre Freiheit!
Silvia Pingoud: Dein Buch mit Deiner Lebensgeschichte
hat mich sehr berührt. Es hat mich beeindruckt,
wie Du Dein Schicksal mit
viel Mut und Stärke zum Guten wenden konntest. Ich hoffe, die Offenlegung
Deiner
Erfahrungen und Dein Einsatz bewirken, dass Dein Wunsch nach mehr
Gerechtigkeit gegenüber den
Schwächeren in Erfüllung geht.
Rolf Stern: Habe Dein Buch fertig gelesen. Bin sehr
beeindruckt von der Stärke Deines Charakters, wie
dieser zum Ausdruck
gelangt. Doch nicht nur dies. Es ist eine Lehre, keine Vorurteile zu haben.
Werde Dir
gelegentlich noch mehr über meine Eindrücke mitteilen.
Johanna
Banhidi-Micheli: Ich
möchte Ihnen zu Ihrem Buch ganz herzlich gratulieren. Mich hat die Lektüre
so gefangen genommen, dass ich es in einem Satz zu Ende gelesen habe. Ich
bin überzeugt, dass auch
unsere Leser in der Bibliothek Freude daran
haben werden. Der Leser und noch mehr die Leserin kann
sich mit Ihren
Schwierigkeiten und auch mit Ihrer Kraft identifizieren. Die Sprache geht
zu Herzen.
Darina
Langer: Von
Deinem Buch bin ich sehr beeindruckt.
Heidi
Ellingsen: Dein
Buch war für mich sehr interessant, da ich mich ein bisschen selber sah,
strenger
Vater, Bluejeans nicht gern gesehen..., deswegen ging ich immer
schön brav im Jupe, mit Pferdeschwanz,
aus dem Haus, dann ging's runter
ins Gebüsch, wo ich schnell die Jeans (auf beide Beine hatte ich Elvis
gestickt)
anzog, Haare runter und schon spazierte die Halbstarke ungesehen
aus dem Gebüsch davon... in den
Schwarzen Ring. Das war einige Jahre
bevor Du kamst! Ich war damals 13 Jahre alt und rauchte 1 Paket
Marlboro
pro Tag, wenn das mein Vater gewusst hätte, uiuiui! Ich
hatte Glück, die Dolmetscherschule
besuchen zu können. Dass Du in diese
Anstalt gekommen bist, ist völlig unbegreiflich, das waren ja
schreckliche Zeiten. Ich kann gut verstehen, dass dies Dich Dein ganzes
Leben verfolgt, deswegen
hast Du Angst wenn Du durch einen Tunnel fährst.
Heide-Dore Nägeli-Stahl: Ich danke Dir, dass ich in Deinem Leben
soviel Platz gewinnen durfte.
Du hast mir viel mit Deiner
"Biographie" an Verständnis gegeben. Ich werde achtsam sein mit
Menschen, die solches erleben.
Gabriele Miesch: Herzliche
Gratulation zu Deinem Buch. Ich freue mich riesig für Dich.
Margit
Schulz - Bibliothekarin - Die Deutsche Bibliothek -
Deutsche Bücherei Leipzig
Sehr geehrte Frau
Müller-Biondi,
erlauben Sie, dass wir uns heute mit einer Bitte an Sie wenden. Die Deutsche
Bücherei erhält seit
ihrer Gründung im Oktober 1912 von den
herausgebenden Stellen des In- und Auslandes je ein
unberechnetes
Belegexemplar aller ganz oder teilweise deutschsprachigen Veröffentlichungen.
Dadurch entwickelte sie sich in den Jahren ihres Bestehens mit zur Zeit über
12 Millionen
bibliographischen Einheiten zum Gesamtarchiv des
deutschsprachigen Schrifttums.
Alle eingesandten Publikationen werden in der "Deutschen
Nationalbibliographie" erfasst und
so einem grossen Interessentenkreis
bekannt gemacht.
Uns wurde bekannt, dass Sie folgende Veröffentlichung herausgegeben haben,
die in unseren Beständen aber leider noch nicht nachweisbar ist:
Ursula Biondi - Geboren in Zürich - eine Lebensgeschichte.
Die bestehende Vollständigkeit unseres Archivs zu erhalten und auszubauen,
gehört zu den vornehmsten Aufgaben der Deutschen Bücherei. Aus diesem
Grunde
erlauben wir uns, Sie um ein kostenloses Belegexemplar genannter Publikation
zu bitten.
Für Ihre Bemühungen danken wir Ihnen vielmals im voraus und verbleiben
mit freundlichen Grüßen
Margit Schulz
Bibliothekarin
Wer ist Cornelia Goethe?
Cornelia Goethe
geboren am 7. Dezember 1750 in Frankfurt
gestorben am 8. Juni 1777 in Emmendingen
deutsche Briefschreiberin; Schwester von J. W.
Goethe 225. Todestag am 8. Juni 2002
Wie
Zwillinge waren die Geschwister, unzertrennlich.
Cornelia erhält – ungewöhnlich für ein Mädchen
ihrer Zeit – die gleiche sorgfältige Ausbildung
wie der Bruder. Sie lernt Latein und Englisch,
Italienisch und vor allem Französisch, erhält
Gesangs- und Klavierunterricht, wird im Zeichnen
und Tanzen unterwiesen. Den Unterricht durch
Hauslehrer überwacht der strenge, pedantische
Vater.
Aber während J. Wolfgang Goethe 1765 sein
Studium in Leipzig beginnen kann, bleibt
Cornelia allein in der häuslichen Enge zurück
und ganz der didaktischen Leidenschaft des
Vaters ausgeliefert. Auch Wolfgangs Briefe sind
kein Trost. Sie sind schulmeisterlich und
verweisen die Schwester auf ihre weiblichen
Pflichten, nämlich: "die Haushaltung, wie nicht
weniger die Kochkunst zu studieren".
Von 1767 bis 1769 hat Cornelia Goethe ein
geheimes Brieftagebuch in französischer Sprache
geführt. Diese "Correspondance Secrète"
an die Freundin Katharina Fabricius blieb
erhalten (Goethe verbrannte die Briefe seiner
Schwester). In diesen Berichten, Beschreibungen,
Szenen wirft Cornelia einen genauen, ja
vernichtenden Blick auf die bessere Frankfurter
Gesellschaft. Sie lesen sich wie ein
autobiographischer Roman, spiegeln ein
verzweifeltes Leiden an der weiblichen Rolle.
Cornelia sieht keine Alternative zur Ehe: "Es
ist offensichtlich, dass ich nicht immer Mädchen
bleiben kann, überdies wäre es sehr lächerlich,
sich das vorzunehmen."
Mit 23 Jahren – für die damalige Zeit sehr spät
– heiratet sie Johann Georg Schlosser, einen
Freund des Bruders. "Wen Gott lieb hat dem geb
er so einen Mann", schreibt sie an Caroline
Herder. Doch die Ehe wird nicht glücklich.
Schlosser gibt in der Parabel "Eine
Ehestandsszene” dem Bruder die Schuld daran.
Cornelia vereinsamt in der Kleinstadt
Emmendingen, wo Schlosser als höchstbezahlter
Beamter im Großherzogtum Baden seine
reformerischen und religiösen Ideen durchsetzen
will. Die Geburt der ersten Tochter kostet
Cornelia fast das Leben. Sie kann sich nicht
erholen: "... was das heißt, als Frau und Mutter
zwei Jahre lang im Bette zu liegen ohne im Stand
zu seyn sich selbst einen Strumpf anzuziehen
..." Als es ihr endlich besser geht, wird sie
erneut schwanger und stirbt nach der Geburt
ihrer zweiten Tochter.
Ihrem Lehrer Philipp Seidel hat sie 1772 zum
Abschied ein silbernes Petschaft geschenkt. Es
zeigt einen offenen Käfig, dem ein Vogel
entfliegt, mit der Unterschrift: "La liberté
fait mon bonheur." Sie hat diese Freiheit nicht
leben dürfen.
Der Cornelia
Goethe Literaturverlag ist im Großen
Hirschgraben neben dem Frankfurter Goethe-Haus
ansässig. Der Verlag widmet seine Arbeit dem
Andenken der Schwester Goethes, die als
hochbegabtes Mädchen im Großen Hirschgraben
aufwuchs, die früh den Gelehrten Schlosser
heiratete und die ungefördert mit 27 Jahren
allzu jung verstarb.
Der Name Cornelia Goethes steht für
literarisches Können in einer den Gesetzen der
Wirtschaftlichkeit gehorchenden Welt. Ihr Name
ruft in Erinnerung, daß Hochliteratur keine
singuläre Erscheinung ohne Sitz im Leben ist,
sondern im Umfeld von praktizierter Kultur, von
lebendiger Literatur und erlebter Kunst
entsteht. Der Verlag erinnert mit seinen
Buchausgaben auch an den bedeutendsten Dichter
deutscher Sprache.
Der Große
Hirschgraben blickt auf eine lange Geschichte
zurück. Zahlreiche Persönlichkeiten, deren Namen
in der Literatur- und Kulturgeschichte klangvoll
sind, haben in dieser Straße gelebt.
Im Jahre 1400 hatte der Jude Gottschalk von
Kreuznach dem Rat der Stadt eine Hirschkuh
geschenkt. Diese Kuh wurde mit anderen Hirschen
in einem Graben gehalten, der, ein Rest der
staufischen Befestigungsanlagen, zwischen
Katharinenkloster und Karmeliterkloster verlief.
Die Haltung der Hirsche diente dem jährlichen
Hirschessen der Ratsherren, das immer
prunkvoller gefeiert und schließlich 1580
abgeschafft wurde. Der Graben wurde
aufgeschüttet und in Bauland umgewandelt. Im
Merianplan der Stadt Frankfurt von 1628 zeigt
sich der Große Hirschgraben bereits eng bebaut.
Hauptwache, Katharinenkirche und Zeil in
Frankfurt a.M. um 1840
Friedrich
Hölderlin im Weißen Hirsch
Der Weiße Hirsch, 1592 als Gasthaus erstmals
dokumentiert, wurde von Jakob Friedrich Gontard
um 1786 bezogen. Als Privathaus der Gontards
wurde es zum prachtvollsten Anwesen im Großen
Hirschgraben umgebaut. Der Hausherr berief als
Lehrer seiner Kinder den nachmals berühmten
Friedrich Hölderlin (1770-1843). Hölderlin
setzte Susette Gontard in der Diotima seines
Romans "Hyperion" ein Denkmal der Verehrung und
Freundschaft.
Die Freundschaft zwischen beiden bot in der
Stadt Anlaß zu Gerüchten. Hölderlin verließ
Frankfurt 1798 nach einem Bruch mit Jakob
Gontard. Heute noch ist in Frankfurt die
Gontard-Bank ansässig.
Der Börsenverein und Johann Friedrich Böhmer im
Kleinen Zimmerhof
Johann Friedrich Böhmer (1795-1863) hat als
Historiker Bedeutung erlangt. Er war Mitarbeiter
des Freiherrn vom Stein und Direktor der
Gesellschaft für ältere deutsche Geschichte.
Große Verdienste sind Böhmer insbesondere als
Herausgeber der deutschen Kaiserurkunden
zugewachsen. Böhmer lebte im sog. Kleinen
Zimmerhof, das ein durchaus großes Anwesen war
und in dessen Nachfolgebau der Börsenverein des
Deutschen Buchhandels e.V. eingezogen ist. Der
Börsenverein ist die 1825 in Leipzig gegründete
Standesorganisation der deutschen Verlage und
Buchhändler, die jährlich in der Frankfurter
Paulskirche den international renommierten
Friedenspreis des Deutschen Buchhandels
verleiht.
Das Goethehaus, Johann Wolfgang Goethe, Cornelia
Goethe, Christoph Martin Wieland, Freies
Deutsches Hochstift, Clemens Brentano
1733 hatte
die Großmutter Goethes, Witwe des Schneiders
Friedrich Georg Goethe, das Haus Nr. 23
erworben. Ihr Sohn, der Jurist Johann Kaspar
Goethe, wurde Kaiserlicher Rat und
Geschäftsträger von Reichsständen in der
Reichsstadt.
Aus der Ehe Johann Kaspars mit Katharina
Elisabeth Textor gingen bekanntlich zwei Kinder
hervor, der Dichter Johann Wolfgang (1749-1832),
der im Elternhaus u.a. sein Erstlingswerk, den
"Götz von Berlichingen" schrieb und mit
"Werthers Leiden" 1774 schlagartig berühmt
wurde; und Cornelia (1750-1777), die spätere
Frau des Gelehrten Johann Schlosser. Cornelia
Goethe, hochgebildet, sehr begabt und von ihrem
Bruder geliebt, starb bereits im Alter von 26
Jahren im Kindbett.
Zu den Besuchern
des Hauses gehörten die Dichter Lenz und
Wieland und zahlreiche andere Große der Geschichte.
Heute beherbergt das Goethehaus, das nach dem Zweiten
Weltkrieg wieder aufgebaut wurde, ein Museum. Das
Goethehaus wurde später um das Haus Nr. 25 vergrößert.
In dem neuen Gebäudekomplex befindet sich das
kulturellen Zwecken gewidmete Freie Deutsche Hochstift,
das 1859 errichtet wurde und das bedeutende Sammlungen
zur Goethezeit pflegt. Darunter befinden sich wertvolle
Handschriftenbestände Clemens Brentanos und vieler
anderer.
Cornelia Goethe Akademie im Farben-Jenisch-Haus
1787 fielen die Häuser Nr. 13/15 im Großen Hirschgraben
durch Schenkung der Niederländischen Gemeinde Augsburger
Konfession zu, die bestimmungsgemäß ein Waisenhaus
einrichtete. Zu Lebzeiten Goethes gehörten die
uniformierten Waisenkinder, die ihren Schulweg machten,
zum Straßenbild. Um 1865 wurden die baufälligen Häuser
durch einen stattlichen Neubau ersetzt, der 1919 von
Hans Jenisch erworben, im Zweiten Weltkrieg zerstört und
wieder aufgebaut wurde.
Hier, unmittelbar neben dem Börsenverein, ist auch die
Brentano-Gesellschaft Frankfurt/M. mb sowie die Cornelia
Goethe Akademie, die Buchautoren fortbildet und die
Literaturpreisträger hervorgebracht hat. Im Senat der
Cornelia Goethe Akademie versammeln sich Führungskräfte
aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft. Die Akademie
unterstützt das Frankfurter Goethehaus, und sie ist
Mitglied der Goethe-Gesellschaft in Weimar e.V.
Die Besucher der Cornelia Goethe Akademie blicken heute
aus den Fenstern auf den Börsenverein, das Frankfurter
Volkstheater der legendären Volksschauspielerin Liesel
Christ, das Haus der Familie Goethe und auf eine Straße,
die wie kaum eine andere bedeutende Persönlichkeiten hat
vorübergehen sehen: Bettina von Arnim, Louise von
Rothschild, Reichskanzler Moritz August von
Bethmann-Hollweg, Felix Mendelssohn- Bartholdy, Clara
Schumann, Elise von Hohenhausen, Heinrich Heine, später
dann Marc Chagall, André Gide, Thomas Mann, Hermann
Hesse, Albert Schweitzer und viele andere.